Alles Schnorrer oder was? – Warum du als Blogger irgendwie immer der Arsch bist

In der Blogosphäre brodelt es mal wieder heftig und die Medienlandschaft zerreisst sich das Maul darüber, was Influencer und Blogger doch für fürchterliche Schnorrer sind. Ausschlaggebend war die Anfrage einer Youtuberin nach einem kostenlosen Aufenthalt in einem Hotel in Dublin und die anschließende Reaktion des Hotelbetreibers. Die ganze Geschichte will ich hier jetzt auch nicht nochmal breit treten, denn die Sau ist meiner Meinung nach bereits ausgiebig genug durchs mediale Dorf getrieben worden. Trotzdem hat mich der Vorfall, beziehungsweise besonders die Reaktionen im Nachgang, so sehr beschäftigt, dass ich jetzt doch auch meinen Senf dazu geben möchte. Schließlich betrifft mich die ganze Diskussion auf die eine oder andere Art und Weise ja ebenfalls.

Schwarze Schafe …

Bevor ich jetzt aber weiter aushole, möchte ich vorweg anmerken, dass es unter den Bloggern, Youtubern, Instagram-Sternchen und was sich da sonst noch alles in der Influencer-Szene herumtreibt, unbestritten jede Menge schwarzer Schafe gibt. Ganz besonders seitdem es sich bis ins hinterletzte Dörfchen herumgesprochen hat, dass man als Influencer in Rekordzeit sehr erfolgreich werden und viel Geld verdienen kann. Der Mensch springt halt nur allzu gerne auf den galoppierenden Gaul auf. Und wenn sich die Gelegenheit bietet ein Stück vom gehypten Kuchen abhaben zu können, dann greift man eben auch gerne zu.

… so weit das Auge reicht

Wovon bei dieser ganzen Diskussion aber leider kaum jemand bis gar niemand spricht, ist die Tatsache, dass es die Schnorrer nicht nur auf Seiten der Blogger / Influencer gibt. Ganz im Gegenteil: Die schwarzen Schafe tummeln sich auch munter auf Seite der Firmen. Und das mitunter im ganz großen Stil und auch noch nah am Rande der Rechtswidrigkeit.

Wer nicht selbst bloggt, der wird das jetzt vermutlich gar nicht wissen, aber als Blogger muss man sich im Falle einer Kooperation an einige nicht ganz unwichtige Regeln und Pflichten halten. So müssen beispielsweise Beiträge, für die man eine Vergütung erhält, deutlich als Werbung gekennzeichnet werden. Übrigens unabhängig davon, ob diese Vergütung finanzieller oder materieller natur ist. Außerdem müssen sämtliche Einnahmen (auch geldwerter Vorteil durch den Erhalt von Produkten) beim Finanzamt angeben und ganz normal versteuern werden. Und dann gibt es da auch noch einige Richtlinien von Google, die ebenfalls nicht unwichtig sind. Zum Beispiel die Art und Weise, wie bei Kooperationsbeiträgen die Verlinkung erfolgen sollte.

All diese Dinge sollte man als vernünftiger Blogger wissen und sich vor allem auch daran halten. Und auch die Firmen, die mit Bloggern zusammenarbeiten wollen, sollten diese Regeln und Gesetzte nicht nur kennen, sondern ebenfalls befolgen. Jede Menge schwarzer Schafe tun aber genau das nicht. Also auf Firmenseite. Und da sind wir auch schon beim Knackpunkt angelangt, warum diese gesamte Diskussion über die schnorrenden Blogger und Influencer alles andere als fair ist. Und mir persönlich auch sehr sauer aufstösst.

Telemedienwas???

Schaue ich mir nur einmal die Kooperationsanfragen an, die ich selbst tagtäglich von Firmen erhalte, dann fällt der größte Prozentsatz davon in die Kategorie “unseriös”, “frech” oder “nicht von dieser Welt”. Völlig ungeniert fordern viele Firmen die Bewerbung ihrer Produkte, als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt. Am liebsten auch noch mit einem großen Beitrag auf dem Blog, selbst erstellen Produktbildern in Profi-Qualität und natürlich auch mit entsprechender Social Media Begleitung. Als Gegenleistung wird dann, wenn überhaupt, ein Produktsample mit wenigen Euro Warenwert angeboten. Oder ein Gutscheincode, mit dem man sich das Produkt ein paar Euro billiger selbst kaufen kann. Und als wäre das nicht schon frech genug, gehen viele dieser Firmen sogar noch einen Schritt weiter und fordern zusätzlich auch noch aktiv und rotzefrech dazu auf, beim anschließenden Blogbeitrag die Werbekennzeichnung wegzulassen. Merkt ja eh keiner. Und wen interessiert überhaupt schon, was im Telemediengesetz steht.

Kein Bock auf Verarsche

Ja, also mich interessiert das ja tatsächlich schon ziemlich. Ich bin nämlich generell ein großer Freund von Transparenz und Ehrlichkeit. Ganz besonders meinen Lesern gegenüber. Und ich hab auch wenig Lust auf eine Abmahnung oder sonstige rechtliche Probleme, nur weil eine Firma auf unlautere Weise verschleiern will, dass man ihre Produkte nicht aus Jux und Dollerei ausprobiert hat. Selbst dann nicht, wenn sie mir einen dicke Summe dafür auf den Tisch packen würde. Aber das tun sie ja zum Glück sowieso nicht. Dazu ist mein Fame-Faktor viel zu gering.

Zusammen statt gegeneinander

Lange Rede, kurzer Sinn: Anstatt sich über “schnorrenden” Influencer aufzuregen, wäre es nicht unklug, wenn sich jeder einmal an die eigene Nase packen würde und seine ganz persönliche Geiz-ist-Geil-Mentalität, sowie die eigene Raffgier kritisch hinterfragen würde. Denn genau die ist der Grund dafür, dass sich manche Influencer so unverschämt daneben benehmen und viele Firmen auf die absurde Idee kommen, reichweitenstarke Werbung gäbe es umsonst.

Mehr Miteinander, Zusammenarbeit auf Augenhöhe und faire Bedingungen für beide Seiten – das ist der Stoff aus der erfolgreiche Kooperationen gemacht werden. Daraus entstehen Werbedeals, die für beide Seiten ein Win-Win darstellen, die Spass machen und die darüber hinaus auch noch dem Leser einen echten Mehrwert bieten. Denn mal ehrlich (und das richtet sich jetzt sowohl an die schnorrenden Influencer, als auch an die schnorrenden Firmen), wann habt ihr mir eurer ganzen Raffgier eigentlich das letzte mal an eure Leser, eure Kunden, eure Käufer gedacht? Na?

Denkt doch mal drüber nach ;)


 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich übrigens auch direkt noch bei all den tollen (und vor allem vernünftigen) Kooperationspartnern bedanken, die mich und meinen Blog mittlerweile das sechste Jahr begleiten. Danke, dass es euch gibt und danke für all die spannenden Beiträge, die gemeinsam mit euch entstanden sind und hoffentlich noch lange entstehen werden.

Ach ja und Happy New Year noch euch allen (weil erster Blogpost im neuen Jahr und so^^)

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