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SlowFood 2014 – Markt des guten Geschmacks

 

„Seid ihr zum Bloggertreffen hier?“ höre ich noch leicht vorsichtig hinter mir jemanden fragen. „Ja sind wir“ antworten Kristina von „Bonny und Kleid“ und ich und wir sind ein wenig erleichtert, dass wir scheinbar nicht die Einzigen sind, die sich im Pressezentrum der Messe Stuttgart noch ein wenig verloren vorkommen. „Ich bin die Tina“ sagts fröhlich – und schon streckt sich uns eine Hand entgegen.. Mein Hirn beginnt zu rattern… Tina??? Doch nicht etwa Tina´s Tausendschön? Ich frage nach – sie ist es. 
 
Endlich habe ich ein Gesicht zu dem schönen Blog, dem ich schon so lange folge. Eine Umarmung folgt, das Eis ist gebrochen, die Anspannung verflogen und jeder ist happy und gespannt – so beginnt gestern das Bloggertreffen, zu dem die Messe Stuttgart im Rahmen der SlowFood 2014 geladen hatte. 

Nach und nach trudeln auch die anderen Blogger ein. Einige bekannte Gesichter sind darunter, aber auch viele Blogger, die ich noch nicht kenne. Macht nix, ich bin gespannt. Ein Kaffee und eine halbe Butterbrezel später drängen wir uns alle erwartungsvoll in den Konferenzsaal im Pressezentrum. Wir werden von Andreas Wallbillich, unserem Ansprechtpartner für das Bloggertreffen, und von Dr. Ursula Hudson, der vorsitzenden des Slow Food Deutschland e.V. begrüsst. Frau Dr., die eigentlich viel lieber nur Ursula genannt werden möchte, gibt uns einen kurzer Überblick über die SlowFood. 

 

 

Wir erfahren, dass die SlowFood dieses Jahr unter dem Motto „Fruchtbare Böden – gute Lebensmittel – nachhaltiger Genuss“ steht und dass mit vielen Veranstaltungen, Vorträgen, Diskussionen und auch Mitmach-Aktionen der Zusammenhang aufgezeigt werden soll, woher die Lebensmittel stammen, die wir am Ende in lecker zubereiteter Form auf unseren Tellern haben. Ich bin schwer beeindruckt über die Art und Weise, wie die SlowFood vielen regionalen Erzeugern und Lebensmittelhandwerkern eine Plattform bietet, auf der sie ihre Produkte präsentieren können. Weitestgehend unbekannte Lebensmittelproduzenten, die im normalen Alltag leider meist anonym bleiben, können auf der SlowFood zeigen, was sie leisten. Und den Besuchern deutlich veranschaulichen, dass auch in der heutigen Gesellschaft noch Werte wie Qualität, traditionelles Handwerk, schonende Verfahren und Nachhaltigkeit zählen.
Nach dieser interessanten Einführung kann ich es kaum noch erwarten, mich ins Messegetümmel zu stürzen und all die tollen Erzeuger kennenzulernen – aber vorher ruft noch die Pflicht in Form einer kleinen Vorstellungsrunde. Ein Mikrofon geht herum – jeder erzählt ganz kurz wer er ist, was er macht und was die Schwerpunkte seines Blogs sind. Es sind interessante Geschichten dabei und ich merke mir schon einmal den einen oder anderen Blog, den ich später unbedingt besuchen muss. Und dann gehts auch schon los – wir werden endlich auf die Messehallen los gelassen.
Die SlowFood erstreckt sich über zwei Messehallen und schon gegen kurz nach 11 Uhr morgens sind die Hallen gut gefüllt. Wir ziehen mehr oder weniger gemeinsam los, aber ziemlich schnell zerstreut sich die relative große Bloggergruppe in alle Himmelsrichtungen – schon kurz nach dem Eingang der Halle 3 stehe ich mit Sandra und Kristina alleine auf weiter Flur. Macht nix, gehen wir eben zu dritt weiter. Und so tauchen wir ein in die bunte Foodwelt und lassen uns einfach nur noch treiben.
 
Schon an einem der ersten Stände probieren wir eingelegte Salz-Zitronen. Wir sind begeistert und kommen mit dem Mitarbeiter von Marokko-Gourmet ins Gespräch. Wir philosophieren über Möglichkeiten die Zitronen zu verwenden, schwärmen bereits von Rezepten mit Couscous und nehmen schließlich jeder ein Glas mit.

 

 

Wir schlendern weiter – probieren würzigen Bergkäse, mildem Ziegenkäse, rauchige Salami und feinen Schinken. Zwei nette Italiener zeigen uns herrlichen Büffelmozarella und lassen uns frisch gehobelten Parmesan probieren. Wir müssen extrem aufpassen, nicht an jedem Stand irgend eine Leckerei zu kaufen – bei über 400 Ausstellern läuft man Gefahr, die Messe am Ende komplett blank zu verlassen. Den Italienern mit dem Büffelmozarella versprechen wir jedoch, auf dem Rückweg zurück zu kommen. Weil Sie so nett fürs Foto posiert haben und der Büffelmozarella wirklich lecker aussah.

 

 

Die Masse trägt uns weiter und wir testen uns querbeet durch das Produktangebot. Säfte aus weißen Burgundertrauben, giftig grüne, aber erstaunlich milde Wasabi-Paste, Chili-Sossen, die uns noch eine halbe Stunde später den Atem nehmen, Salz mit Rauchgeschmack und mit gemahlenen Kaffeebohnen – ich gewinne den Eindruck, dass es auf der SlowFood nichts gibt, was es nicht gibt.

 

 

Bei der Vinothek – dem Treffpunkt für Weinliebhaber – legen wir ein kurzes Päusschen ein. Unsere Gutscheine für ein gratis Glas Wein möchte eingelöst werden und ausserdem sind unsere Kehlen schon ziemlich trocken. Messehallen-Luft ist Gift für die Atemwege. Die Auswahl an Weinen ist riesig und da wir von Wein eher wenig Ahnung haben ordern wir jeder ein Glässchen Riesling. Damit macht man meistens nichts verkehrt. Gute Entscheidung – der Wein ist toll. Wir unterhalten uns ein wenig über den Geruch des Weins und kommen uns dabei fast wie Profis vor. Sind wir aber nicht, deshalb stellen wir uns letztendlich doch nur an den Thresen, genießen das gute Tröpfchen und beobachten ein wenig das Treiben um uns.

 

Vom Wein wieder etwas beschwingt, steuern wir schließlich den Stand von Charitea an. Dort kann man Limonade selber machen und wir schauen begeistert einem kleinen Mädchen zu, welches mit vollem Körpereinsatz eine Zitrone auspresst. 

 

 

Zum selber machen haben wir nicht so wirklich Lust – wir probieren uns lieber etwas durch das fertige Charitea-Angebot. Der Geschmack überzeug voll und ganz und so kaufen wir am Ende jeder ein Fläschchen. Und weil der Tea, bzw. die Limo so wunderhübsch aussieht und so schöne Farben hat, gibts sogar noch bisschen Körpereinsatz von Kristina um die Flaschen ins rechte Licht zu rücken. Die Leute gucken zwar bisschen blöd, aber als Foodblogger sind wir das irgendwie gewöhnt. Frei nach dem Motto „Keiner rührt das Essen an, bevor nicht ein Foto gemacht wurde!“

 

 

 

Der Tea, bzw. die Limonade weckt dann wieder vollständig unsere inzwischen leicht müden Knochen und wir wandern weiter in Halle 5. Dort wollen wir eigentlich erst einmal direkt zum reg.io Stand. Fritz, einer der Geschäftsführer, hat uns eingeladen und will uns etwas über seine Internetplattform und die Gutes-von-hier-Geschenkboxen erzählen. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Stand von Wildspezialitäten Göbel vorbei. Und läuft das Wasser im Mund zusammen und wir müssen uns beherrschen, nicht sofort einen Wildschwein-Leberkäse auf Bauernbrot zu ordern. Da wir aber bereits getwittert haben, dass wir auf dem Weg zu reg.io sind, huschen wir schnell an den Göbelschen Hütten vorbei. Bei reg.io werden wir schließlich freudig empfangen.

 

 

Zwar könne er uns nichts zum probieren anbieten, aber er erzählt uns gerne, was es mit reg.io und mit „Gutes von hier“ auf sich hat – sagt Fritz, einer der beiden Geschäftsführer, und legt direkt los. Wir erfahren, dass er und sein Geschäftspartner Hannes (die sich zuuufällig auf einem Bloggertreffen auf der SlowFood kennengelernt haben) viel Wert auf regionale Produkte legen. Mit reg.io haben die beiden eine Plattform ins Leben gerufen, die regionale Erzeuger präsentiert und auf der man standortbasiert nach regionalen Anbietern suchen kann. „Gutes von hier“ sind dagegen hochwertige Geschenkboxen, bestückt mit Produkten regionaler Anbieter. Die Boxen eignen sich als Geschenk von Firmen an Geschäftskunden und Mitarbeiter oder auch einfach nur so für alle, die gute regionale Produkte lieben. Der aktuelle Bestseller ist übrigens die „Sieben Schwaben Box“ für 38.- Euro. Sie enthält folgendes Menü: einen schwäbischen Kir als Aperitif, ein Zwetschgen-Mirabelle-Destillat namens „Härtegold“ als Digestif, eine Kürbissupe als Vorspeise, Spätzle mit Bio-Bärlauch-Pesto als Hauptspeise und als Dessert einen Schokokuchen im Glas. Dazu gibts es noch ein Bienenwach-Teelicht im Glas für die romantische Stimmung.

 

 

Wir sind schwer beeindruckt von dem was Fritz und Hannes mit reg.io und mit „Gutes von hier“ geschaffen haben, bedanken uns bei Fritz für das tolle Gespräch, versprechen, dass wir in Kontakt bleiben und noch während wir uns verabschieden, knurrt mein Magen. Ein Blick auf die Uhr offenbart, was mein Magen längst weiß – der Nachmittag ist bereits angebrochen und die Zeit läuft uns davon.
 
Weil wir uns noch uneinig sind was wir essen sollen, lassen wir uns noch ein bisschen weiter durch Halle 5 treiben. Plötzlich sehen wir vor einem Wald aus Basilikum. Grün wo hin das Auge reicht – der Demeter Stand. Eigentlich wollen wir gleich weiter laufen, da fällt unser Blick auf die mobile Bar. Demeter verbinde ich bisher irgendwie immer mit kauzigen Ökos – die Bar macht mich stutzig. „Gin-Basil-Smash“ wird auf einer kleinen Tafel angeboten und wir werden neugierig.

 

 

Ich mag eigentlich keinen Gin, aber Sandra und Kristina wollen unbedingt probieren und so beuge ich mich der Mehrheit und ordere das Gesöff für solze 4,50 Euro. Der Barkeeper zerstösst Basilikum, gibt Gin dazu, presst eine Zitrone aus, kippt den Saft dazu und rührt noch Zuckersirup unter. Kurz geshaket, über Eis ins Glas gegossen, Zitronen-Basilikum-Deko dazu und fertig. Wir probieren und sind verliebt. Nicht günstig, aber megalecker. Nächste Woche gehen wir wohl Gin, Basilikum und Zitronen kaufen.

 

 

Während wir unser Basilikum-Getränk süffeln, findet direkt gegenüber der Bar ein Live-Event statt. Es gibt Bratwurst – selbst gemacht. Wir schauen eine Weile zu und erliegen dem Charme des Moderators. Er erzählt mit viel Leidenschaft und Witz und wir fühlen uns wohl. Sehen zu, wie er Brät zusammen panscht und die Masse in Därme füllt. Ein kleiner Bub darf mit der Mühle Pfeffer zum Brät mahlen und er freut sich – seine Eltern auch. Ein Metzger gesellt sich dazu und erzählt ein wenig, wie Brät überhaupt hergestellt wird. Als nach Freiwilligen gesucht wird, die sich selbst daran versuchen eine Bratwurst herzustellen, verdrücken wir uns klammheimlich.

 

 

Angesichts der Bratwürste hängen unsere Mägen mittlerweile im Keller und so schlendern wir langsam in Richtung Hallenausgang. Auf dem Weg dorthin erstehen wir jeder noch kurz einen Macaron, der noch an Ort und Stelle verputzt wird und wir probieren einen grandiosen Bulgur-Salat (zu dem die eingelegten Zitronen von morgens extrem gut gepasst hätten), sowie Bulgur-Frikadellen. Bulgur steht nun in jedem Fall auf dem Einkaufszettel für den nächsten Supermarkt-Besuch.

 

 

Endlich zurück in Halle 3 beschließen wir, es uns an der langen Tafel in der Hallenmitte gemütlich zu machen. Wir ordern zwei Flammkuchen und während Kristina am Flammkuchenstand auf die köstlichen Fladen wartet und Sandra an der langen Tafel 3 Plätze für uns klar macht, schlendere ich noch zum Stand des Familienweingut Franzen um uns einen passenden Wein zum Essen zu besorgen. Ich komme mit Michael Franzen und seinen bezaubernden Frau ins Gespräch und lasse mir ein gutes Tröpfchen zu unseren Flammkuchen empfehlen. Praktischerweise haben die beiden zusätzlich zum Weingut eine Straußenwirtschaft und eine Vinothek und so ist der perfekte Begleiter für die Fladen schnell gefunden. Lustigerweise wieder ein Riesling. Mit Wein und Flammkuchen lassen wir dann gemütlich den Messetag ausklingen.

 

 

Da der Riesling vom Familienweingut Franzen Sandra und mich so dermassen begeistert hat, lassen wir es uns nicht nehmen, kurz vor dem Ende nochmals am Stand vorbei zu schauen. Mit nur 4,90 Euro pro Flasche ist der Wein ein echtes Schnäppchen und wir ordern noch 3 Flaschen für den heimischen Vorrat. Vorsichtshalber deckt uns Herr Franzen in weiser Voraussicht auch noch mit Prospekten ein und gibt uns seine Mail-Adresse, falls wir nachbestellen wollen. Wollen wir mit Sicherheit! Und falls wir mal direkt im Weingut vorbei kommen wollen gibt uns seine Frau direkt auch noch ein Wanderprospekt mit. So ein nettes Ehepaar die beiden. Vielleicht werden wir dieses Jahr ja wirklich mal an der Mosel wandern und die beiden besuchen.

Auf dem Weg zum Hallenausgang halten wir nochmals etwas Ausschau nach den anderen Bloggern. Leider finden wir niemanden mehr und fragen uns, wo sich alle versteckt haben. Wir schlendern durch die Halle zurück in Richtung Pressezentrum und schauen nochmals bei den netten Italienern mit dem Büffelmozarella vorbei. Dieser ist mittlerweile komplett ausverkauft. Pech für uns – Glück für den Stand gegenüber. Dort erstehen wir jeder noch eine Scheibe würzigen Bergkäse. Im Pressezentrum decken wir uns dann noch mit ein paar letzten Pressematerialien ein, werfen einen abschließenden Blick auf die Twitter-Wall und machen uns dann schweren Herzens auf – zurück in Richtung Heimat. Im Gepäck die Erinnerung an einen eindrucksvollen Tag, vollgepackt mit tollen Menschen, wunderbaren Gesprächen und gutem Essen. Ein Samstag, wie er schöner kaum sein kann.

Die SlowFood ist, getreu Ihrem diesjährigen Motto, wirklich ein fruchtbarer Boden um die Wichtigkeit nachhaltiger Produktion zum Wohle toller Lebensmittel zu verdeutlichen.

Vielen Dank an dieser Stelle natürlich auch noch an die Messe Stuttgart und an die SlowFood 2014 für die Ausrichtung und Organisation des Bloggertreffens. Es war ein grandioser Tag, der uns sicher allen noch lange in Erinnung bleiben wird und richtig viel Spass gemacht hat. Ich habe mich sehr darüber gefreut, einige Bloggerkollegen endlich einmal persönlich kennenzulernen. Leider war die Zeit mit euch viel zu kurz – aber das nächste Bloggertreffen kommt bestimmt – allerspätestens auf der SlowFood 2015!

 

Wie die anderen Blogger das Treffen so fanden, könnt ihr übrigens hier nachlesen:

16 thoughts on “SlowFood 2014 – Markt des guten Geschmacks

    1. Mit Sicherheit wird das nicht das letzte come-together gewesen sein.. ich weiss da zufällig von einem Stuttgarter Bloggertreffen, welches sich aktuell in der Planungsphase befindet.. stell dich also schonmal seelisch und moralisch drauf ein, einige der Chaoten dieses Jahr evtl. schon wieder zu sehen 😉

  1. Hach, das hat so Spaß gemacht sich deinen Beitrag durchzulesen. Wenn man dabei war, ist es gleich doppelt so spannend. Wär ich nicht dabei gewesen, würd ich mich nach dem Durchlesen jetzt aber fühlen, als wär ichs gewesen 🙂 Ganz toll!

    War wirklich ein toller Tag. Nächstes Jahr wieder? 🙂

    1. Zu unserer Schande muss ich gestehen, dass wir es gar nicht geschafft haben, ein Bild zusammen zu machen. Es gibt eins von ganz vom Anfang – da sind wir zusammen drauf.. frag mich aber nicht, wer das Bild gemacht hat^^ es wird aber sicher noch irgendwo auftauchen und dann werde ich es verlinken 😉

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