Gastronomie

Heimat & Huhn | Schwäbisch Gmünd – Große Klappe, nix dahinter!?

S´Heimat & Huhn isch a neus Restaurant in Schwäbisch Gmünd. Da werad nur Sacha zom Kocha verwendet von Leit, die ihr kennad. Zom Essa gibt’s deshalb regionale Sacha, alles rond om der Gockel vom Flammawandgrill aber au Sacha ohne Floisch oder ganz ohne Viehzeig. (Stellenanzeige Heimat & Huhn – Juli 2017)

Texte, die in Dialekt geschrieben sind, finde ich meistens ziemlich affig. Bei einer Anzeige zum neuen Restaurant „Heimat & Huhn“ hier in Schwäbisch Gmünd bin ich aber hellhörig geworden. Irgendwie war der Text witzig geschrieben und dass das Restaurant Gockel (also Hähnchen) vom Flammenwand-Grill anbieten will, fand ich eine ganz gute Idee. Hat man im Restaurant ja eher selten. Dazu noch regionale Zutaten aus der Heimat – da hüpft mein Foodbloggherz. Am Eröffnungstag habe ich deshalb ein paar Freunde zusammengetrommelt und dem Heimat & Huhn einen Besuch abgestattet. Unsere Erwartungen waren groß. Richtig groß! Die Vorfreude auch. Aber am Ende blieb leider doch fast nur Enttäuschung.

Facettenreiche Speisen, die keine Wünsche offen lassen?

Auf der Facebook-Seite zum Restaurant (eine Homepage gibt es – Stand 14.07.2017 – noch nicht) heißt es: „Wir zaubern aus heimischen Produkten eine facettenreiche Speisekarte, die keine Wünsche offen lässt“.  Das hörte sich ja durchaus vielversprechend an und ich muss zugeben, dass mein Eindruck vom Heimat & Huhn zunächst auch wirklich positiv war.

Die Location selbst ist ein bisschen versteckt, aber alles in allem ganz nett. Die Inneneinrichtung ist für meinen Geschmack etwas dunkel geraten, aber durchaus schön. Und es gibt einen großen Außenbereich mit hübschen Pflanzen und Kräutergarten, an dem man im Sommer wirklich schön sitzen kann. Genau dort haben wir dann auch Platz genommen.

Als Begrüßung (war ja Eröffnungstag) hat man uns ein Glas Sekt, bzw. als alkholfreie Alternative ein Glas hausgemachte Limonade angeboten. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet und so war die Freude auf jeden Fall schon einmal groß. Während wir unseren wirklich sehr guten (und tatsächlich regionalen) Sekt genossen haben, kamen dann auch die Speisekarten. Und ein Gruß aus der Küche: Selbstgebackenes Brot mit Kräutern und getrockneten Tomaten, dazu verschiedene Dips. Definitiv der nächster Pluspunkt. Das Brot war nämlich wahnsinnig lecker und die Dips ebenfalls hervorragend.

Die Speisekarte – Heimische Produkte der Saison

Die Speisekarte hat mir auch richtig gut gefallen. Nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch. Sie kommt auf einem Klemmbrett aus Holz daher und die einzelnen Seiten sind einfach oben eingeklemmt. Angesichts der Tatsache, dass man im Heimat & Huhn eine wechselnde Wochenkarte mit marktfrischen Speisen der Saison anbieten möchte, ist das natürlich sehr clever. Und sieht zudem auch noch ganz hübsch aus.

Rein inhaltlich ist die Speisekarte nicht sonderlich umfangreich, aber alle Gerichte hören sich sehr lecker an. Das Aushängeschild des Heimat & Huhn sind die halben Hähnchen vom Flammenwand-Grill, aber es gibt auch vegetarische und vegane Gerichte wie z.B. Linsen-Risotto oder hausgemachte Kartoffelnocken mit Gemüse vom Grill.  Bei den Preisen auf der Karte habe ich zum ersten Mal an dem Abend ein bisschen Bauchschmerzen bekommen. 8,90 Euro für ein halbes Hähnchen – ok. Wenn es wirklich vom Bauern um die Ecke kommt, sag ich da nix. Aber jeweils um die 3.- Euro für eine Beilage zu verlangen, fand ich dann schon ein wenig viel. Hätte ich Pommes und einen Salat dazu bestellt, wäre ich bei meinem Gericht fast mit 15.- Euro dabei gewesen. Ohne Getränke versteht sich.

Bestellt haben wir dann schließlich 4 Mal das halbe Hähnchen und 2 Mal Bratkartoffeln mit gezupftem Huhn an Paprikasauce und Salat der Saison. Als Beilagen zu den Hähnchen haben wir das Grillgemüse, die Pommes, einen Beilagensalat und eine Portion hausgemachten Kartoffelsalat genommen.

Gesalzene Preise, kleine Portionen & geschmacklicher Durchschnitt

Als erstes wurden die Bratkartoffeln mit dem gezupften Huhn serviert. Und hier hat sich dann wirklich Ernüchterung breit gemacht. Die Portion war sehr überschaubar und für den Preis von 11,20 Euro definitiv zu klein geraten. Geschmacklich hat das Gericht leider auch nicht wirklich überzeugt. Das gezupfte Huhn war relativ fade. Die Paprikasauce dagegen war mit sehr viel Räucherpaprika abgeschmeckt und von der Würze einfach schon einen Tick drüber. Das war also wirklich nix.

Als unsere halben Hähnchen serviert wurden war ich fast wieder versöhnt, denn die sahen richtig gut aus und waren von der Portion auch ganz ordentlich. Dann kamen allerdings die Beilagen und ab diesem Moment war unsere Laune dann tatsächlich im Keller. Die Salate und das Grillgemüse waren noch in Ordnung, aber die Pommes – mir fehlen heute noch die Worte. Für 3.- Euro bekamen wir ein Schüsselchen mit 8 Pommes. Acht!!! Das war so ziemlich das Frechste, was ich jemals in einem Restaurant erlebt habe. Handgemacht hin oder her – 3 Euro für 8 Pommes machen mich wirklich sprachlos.

Ja geschmacklich waren die Hähnchen dann ok. Die Haut hätte etwas krosser sein können und die Brust war etwas trocken, aber das Hähnchen war gut gewürzt und mir hat es wirklich geschmeckt. Die Pommes habe ich gar nicht probiert, weil ich Angst hatte, dass mich mein Mann erdolcht, wenn ich auch nur in Richtung der Mini-Portion schiele. Salate und Grillgemüse waren gut, aber jetzt auch nicht gerade die absoluten kulinarischen Highlights.

Das ewige Übel mit dem Service

Ein kleines Schlußwort möchte ich noch zum Service loswerden: Vieles lief an diesem Eröffnungstag nicht rund und der Satz „Tut mir leid, das haben wir nicht“ war am Ende schon der Running Gag an unserem Tisch. Schade eigentlich. Gerade bei der Eröffnung sollte man doch Wert darauf legen, dass man sich und sein Restaurant gut präsentiert und in allen Punkten überzeugt. Das ist hier definitiv nicht gelungen.

Die Schuld dafür will ich hier aber auch gar nicht Mal dem Servicepersonal in die Schuhe schieben. Die beiden Damen waren sehr bemüht und auch wirklich sehr freundlich. Zum Teil aber auch extrem nervös und unsicher. Hier hat in meinen Augen ganz klar die Chefetage versagt und die Mitarbeiter entweder gar nicht oder nicht ausführlich genug gebrieft und eingelernt.

Mein Fazit:

So sehr ich mich auch auf das Heimat & Huhn gefreut habe, in diesem Restaurant ist tatsächlich leider mehr Schein als Sein. Das Konzept und die ganze Idee hinter dem Restaurant finde ich zwar nach wie vor immer noch super, aber die Umsetzung ist, so leid mir das auch tut, wirklich nicht gelungen. Ich weiss auch ehrlich gesagt nicht, ob hier noch Luft nach oben ist. Momentan habe ich nicht das Bedürfnis, das Heimat & Huhn ein zweites Mal zu testen.

Wer das Restaurant selbst mal ausprobieren will, darf das aber natürlich gerne tun. Und ich freue mich selbstverständlich sehr über weitere (vielleicht auch bessere) Erfahrungsberichte. Gerne auch als Kommentar unter diesem Beitrag.


  • Heimat & Huhn | Pfeifergässle 16 | 73525 Schwäbisch Gmünd | Tel. 0173 3188784
  • Öffnungszeiten: Leider nirgendwo kommuniziert
  • Homepage: Existiert nicht | Facebook: Heimat & Huhn
  • (Stand 14.07.2017)

 

4 thoughts on “Heimat & Huhn | Schwäbisch Gmünd – Große Klappe, nix dahinter!?

  1. Hallo!
    Als Kritikerin ein Restaurant am Eröffnungstag(!) zu besuchen und danach solch einen Kommentar zu posten finde ich schon frech. Das kann einem solchen Unternehmen ganz schnell den Hals kosten… Konnte die Vorbereitungsphase seit September letzten Jahres mitverfolgen und weiss welche Anstrengungen und Opfer hinter dem Schritt stehen was völlig neues aus dem Nix zu schaffen(die Lokalität war vorher ne Bierkneipe, kein Restaurant!). Monatelange Verzögerungen durch Wasserschaden, extreme schwere Suche nach Personal, Verhandlungen mit Lieferanten,… Ich denke jedes heutige Sternestaurant wäre am Eröffnungstag bei den Kritikern sang-, und klanglos durchgefallen. Da ist einfach noch nix eingespielt, weder von den benötigten Mengen an frischem(!) Material, noch beim Personal, noch bei den Standardabläufen hinter den Kulissen… Da wäre sicherlich „gemach, gemach,…“ etwas Geduld angebracht. Und heute mit Facebook und Co. ist ein Ruf schneller versaut als man Zeit hat Perfekt zu werden… Schade für das schnelle „Todesurteil!“ Hoffe es macht sich jeder selbst ein Bild…

    1. Lieber Frank Grimminger, lese ich aus Ihrem Kommentar richtig heraus, dass man am Eröffnungstag eines Restaurants also lieber gar nicht erst hingehen sollte, weil ja sowieso noch nichts richtig läuft? Das kann ja wirklich nicht ihr ernst sein. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – Ich bin die letzte, die am Eröffnungstag durch und durch Perfektion erwartet. Aber frisches Material (was laut Ihrer Aussage offensichtlich gar nicht vorhanden war), erwarte ich durchaus. Und ich erwarte auch, dass man als Gastronom mit Kritik umgehen kann und diese vor allem auch annehmen kann. Die beleidigte Leberwurst zu spielen, hat noch niemandem geholfen. Genauso wenig wie das Betteln nach Beitragslöschung, das Drohen mit Anzeige und das Bombadieren mit Messages auf Facebook. Wenn hier ein Todesurteil gefällt wurde, dann von den Betreibern selbst.

    2. Bei aller Liebe, natürlich kann einiges beim Eröffnungstag passieren. Daß die Servicekräfte die Karte noch nicht in- und auswendig können oder daß mal was zu lange dauert – geschenkt. Aber ein Laden, der mir 8 Pommes für 3 Euro verkauft, hat mich definitiv zwei Mal gesehen. Zum ersten und zum letzten Mal.

      Ich bin ganz sicher niemand, der an allem und jedem rummeckert, aber wenn ich den Eindruck habe, daß ich (zu) viel Geld ausgebe und/oder nicht satt heimgehe, dann kann das Huhn hundert Mal totgestreichelt worden sein. Rostbraten für 24 Euro? Gerne, solange das Fleisch passt, die Beilagen schmecken und ich satt aus dem Restaurant laufe. Aber eben nur unter diesen Bedingungen.

      Und ja, es stimmt, daß der Ruf über FB und Co. heute schnell versaut ist. Dagegen hilft, daß man sich zumindest bemüht, gut oder sagen wir angemessen zu sein. Bei Vielem kann man sicher noch ein Auge zudrücken. Aber gerade die Aktion mit den Pommes wird sich sehr schnell als Abzocke rumsprechen. Und das absolut ohne Not.

      Ich bin dazu übergegangen, Restaurants zu bewerten, ehrlich und ohne Rücksicht auf Verluste. Jeder hat die gleichen Chancen, wer sie nicht nutzt, muß eben damit leben, schlechte Bewertungen oder Blogeinträge zu kassieren. Und wenn ich hier was von Beitragslöschung, Androhung von Anzeigen o.ä. lesen muß, dann scheint der Fokus nicht darauf zu liegen, sich zu verbessern, sondern „unpassende“ Stimmen aus dem Weg zu räumen. Kleiner Tipp: Man kann Meinungen ändern, man kann Restaurants mehrfach besuchen. Wenn man allerdings den Fehler bei den anderen sucht, wird das nichts.

      1. Hi Mark, ich bin da ganz bei dir. Dieses Restaurant hat mich definitv auch das erste und letzte Mal gesehen. Nach der Veröffentlichung meines Beitrages und nach der ersten großen „Empörungswelle“ auf Facebook habe ich das gesamte Wochenendne intensiv nachgedacht und mir tatsächlich fest vorgenommen, nochmal hinzugehen. Schließlich sollte wirklich jeder eine zweite Chance bekommen. Die Reaktion, die mir in den darauf folgenden Tagen entgegen gebracht wurde, hat mich diese Meinung aber schließlich ändern lassen.

        Ich will keine Schlammschlacht gegen dieses Restaurant führen und es war nie mein Ziel, irgendwem das Geschäft kaputt zu machen. Im Gegenteil: Ich habe immer betont, wie sehr ich das Konzept mag und ich würde mich auch nach wie vor enorm freuen, wenn dieses Konzept aufgeht und der Laden läuft. Daran glauben tu ich allerdings nicht mehr. Eine Löschung meines Beitrages würde daran absolut gar nichts ändern und den Beitrag umzuschreiben, nur um ein untergehendes Schiff zu retten, äh nein danke! Ich habe schon immer ehrlich geschrieben und das wird sich auch jetzt nicht ändern.

        Wer am Ende der Buhmann sein wird, wenn das Restaurant irgendwann dicht machen muss, kann man sich natürlich denken. Aber das nehme ich dann gern auch noch auf meine Kappe. Seien wir doch mal ehrlich: Schwäbisch Gmünd hat rund 60.000 Einwohner. Mein Artikel wurde auf Facebook rund 4.000 Menschen angezeigt (und hätte nicht der halbe Freundeskreis der Betreiber darunter kommentiert, wärs noch weniger gewesen). Nicht einmal 1.000 Leute, denen der Artikel angezeigt wurde, haben ihn auch gelesen. Und von all diesen Lesern wohnt der Großteil nicht einmal hier in der Region und kommt als potentielle Kundschaft sowieso nicht in Frage. Wenn das allein also ausreicht, um einem Laden das Geschäft zu versauen, dann war das ganze offensichtlich schon von vorne herein zum Scheitern verurteilt.

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